Kraut und Rüben

Ich bin für gewöhnlich niemand, der auf den letzten Pfennig achtet. Auf den letzten Cent übrigens auch nicht. Das ist mir erstens viel zu mühselig und hat zweitens den großen Vorteil, dass ich mich nicht ganz so oft über selbst getätigte Ausgaben ärgere.

Über meinen Beitrag für Krautreporter hingegen ärgere ich mich so langsam richtig, denn das Projekt ist mir mein Geld schlichtweg nicht wert.

Ich lese relativ viel online. Faktisch hat sich fast mein gesamter Lese-Medienkonsum ins Digitale verlagert: Die örtliche Tageszeitung ist mangels Aktualität und Qualität schon längere Zeit abgeschafft, übrig geblieben sind auf Papier nur die 11Freunde und das gelegentlich gekaufte Obdachlosenmagazin BODO.

Doch obwohl ich relativ viele Medien relativ bunt gemischt konsumiere, und obwohl ich für Krautreporter gezahlt habe, um dieses eigentlich spannende Projekt zu unterstützen, lasse ich die Seite immer häufiger links liegen.

Und das geht offenbar nicht nur mir so, denn dass KR-Beiträge reihenweise in den sozialen Netzwerken geteilt würden, kann man nun wirklich nicht behaupten. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass Krautreporter völlig irrelevant ist.

Was im jüngsten feministischen Shitstorm-Treiben um Tilo Jung leider ein bisschen untergegangen ist, ist daher diese Frage um die grundsätzliche Qualität und den tatsächlichen Mehrwert der Plattform. Für mich jedenfalls hat sie keinen.

Wann immer ich diese besuche – und das geschieht zunehmend selten – klicke ich pflichtschuldig ein oder zwei Texte an. Ganz selten lese ich sogar einen davon aus halbinteressierter Pflichtschuldigkeit. Aber dass mich Krautreporter einfängt und bei mir Aufmerksamkeit für neue Themen erzeugt oder mir neue Hintergründe zu bestehenden Diskussionen serviert, kann ich nicht gerade behaupten. Gut, das ist eine subjektive Einschätzung, aber auch in meinem Umfeld scheint die Seite nicht stattzufinden. Da gab und gibt es Freizeit-Blogs, die mehr Aufmerksamkeit auf sich vereinen.

Neuerdings kommt dazu, dass sich das Projekt auch zunehmend mit sich selbst beschäftigt: Hier stellt sich ein Community-Mitglied vor, dort muss der ungezogene Tilo auf die stille Treppe und wiederum anderswo entschuldigen sich die Macher dafür, dass an politischen Themen ein Autor mitwirkt, der für die Bundesregierung arbeitet – was vorher offenbar niemand problematisch fand von denen, die einmal angetreten waren, um alles besser zu machen. Dass aber Beschäftigung mit sich selbst nicht zum Selbstzweck werden darf, können sich die Krautreporter bei Bedarf mal von den Piraten erklären lassen.

Wie gesagt: Die Vorsätze, mit denen die Seite zum Crowdfunding antrat, gefiel mir sehr: Unabhängiger, werbefreier Journalismus abseits des Mainstreams. Ich hatte ja auch keine Ahnung, dass damit ein Format wie „Jung und naiv“ gemeint sein würde, an dessen intellektuellem Anspruch Medienjournalist Stefan Niggemeier als eines der prominentesten Gesichter hinter Krautreporter kaum ein gutes Haar lassen würde, wenn es bei Focus Online oder WDR 360 erscheinen würde.

Unterm Strich war meine erste Zahlung daher wohl auch die letzte. Das Geld investiere ich lieber dort, wo Anspruch und Wirklichkeit weniger weit auseinander liegen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s